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Jenaplan to go – in kleinen Happen – leicht verständlich

C Innere und äußere Bildungsgrundformen – Was bedeuten Bildungsgrundformen?

C1 Wir bewegen uns im Inneren – eine individuelle Auseinandersetzung-


Bevor mein Schwager H. mit einer Arbeit beginnt, denkt er vorher ganz genau darüber nach, welche Arbeitsabläufe auf ihn zukommen, die Werkzeuge die benötigt werden oder wie sich was vereinfachen lässt. Die am Anfang mit innerem Tun verbrachte Zeit scheint sich sehr positiv auf seine „Gelingensrate“ auszuwirken.

Mich fasziniert das. Ich bin eher der Typ „Anfangen, mal sehen was kommt“ wie viele meiner Mitmenschen. Es ist schon so, dass „Anfangen, mal sehen was kommt“ häufig in Sackgassen führt, wie mein Schwager mir vormacht- vermeidbare Sackgassen.

Es gehört dann als Erwachsener eine Menge Kraft, zuweilen Druck von außen und viel gutes inneres Zureden, um aus so einem Schlamassel wieder herauszukommen.

Diese so gebrauchten Kräfte sollten Heranwachsende für Sinnvolleres einsetzen lernen.

Pädagogisch gesehen macht es schon Sinn Möglichkeiten zu schaffen, sich innerlich, bevor es los geht ,mit einem Thema zu verbinden. Mein Schwager zeigt. Das ist gut eingesetzte Zeit. Ideen können reifen oder müssen bei näherem Nachdenken verändert, vielleicht sogar verworfen werden.

Wenn man sich vorher darauf einlassen kann nachzudenken wie es jenseits meiner gewohnten Umgebung und Erfahrungswelt aussehen könnte, wird das Beschreiten eines neuen Weges nun vielleicht weniger bedrohlich sein.

Es kann eine gehörige Portion Neugierde und sogar Faszination entstehen sich in diese bisher unbekannte Welt hineinzubegeben.

Wir praktizieren heute pädagogisch eher das Gegenteil, schnell, schnell ist angesagt, Effizienz um jeden Preis. „Ich kann doch mit meiner Gruppe bei einem Projekt von knapp drei Wochen nicht zwei Tage einer für mich als Pädagogen schwer kontrollierbaren inneren Auseinandersetzung opfern- also Zeit zusammennehmen und los!“ heißt es sehr häufig. Ist diese innere Auseinandersetzung wirklich unnütz und entbehrlich?

Was wird geschehen, wenn zum Beispiel folgende Fragen unbeantwortet bleiben:

Was ist das Ziel deiner Arbeit?

Welche einzelnen Schritte sind notwendig um dein Ziel zu erreichen?

Wie sollten die Arbeitsgruppen gut zusammengesetzt sein?

Wie kann man die Gruppenarbeit organisieren?

Wie, in welcher Form und vor wem werden die Ergebnisse vorgestellt?

Welche Qualitätsstandards sind zu vereinbaren? (Auswahl)

Unterlässt man dies, zeigen die Erfahrungen, braucht es im Arbeitsverlauf viel Zeit um eine „Linie“ zu finden. Korrekturen müssen oft vorgenommen werden und es besteht die Gefahr dass der „Arbeitsfaden“ immer wieder abreißt.

Die innere Beschäftigung mit den Grundfragen wird in der Gruppe dann öffentlich und verbindet sich zu einem Gesamtbild.

Diese Innenarbeit wird äußerlich praktisch in Tätigkeiten Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier.

C2 und öffnen uns nach außen durch: Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier

pädagogische Situation und äußere Bildungsgrundformen


Ziel pädagogischen Handelns ist es doch mit unseren Themen aus dem wirklichen Leben bei den Heranwachsenden einen „Flow Effekt“ auslösen zu können. Sie sollen von einer alles ergreifenden Faszination erfasst werden. Raum und Zeit beginnen im Tun ihre Bedeutung zu verlieren. Im Jenaplan heißt es solchen pädagogischen Situationen stets nachzuspüren. Sie ermöglichen den Brückenschlag von innerer Spannung zu alles ergreifender Faszination, einen Weg zur Problemlösung einzuschlagen und damit Lebenserfahrungen für ein selbst bestimmtes Sein zu erringen.

Der Brückenschlag braucht äußere Grundformen die sich eben als Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier einteilen lassen.

Wir wissen kein Spiel ohne Arbeit, aber wenn es gelingt dass Arbeit zum Spiel wird dann können mitunter Lösungen und Ergebnisse erwartet werden, die aus dem sonst üblichen Schema auszubrechen vermögen.

Wenn eine Gruppe von Menschen gut zusammenarbeiten will braucht es Kommunikation. Das heißt Informationen so weiterzugeben dass sie schnell zum wesentlichen Inhalt führen und Verständnis weitervermitteln.

Dies geht über Sprache und die Tätigkeiten sprechen plus zuhören. Das ist kein Selbstläufer und will regelmäßig geübt werden. Das Beherrschen dieser beiden Tätigkeiten entscheidet oft über Erfolg oder Nichterfolg in der Schule und natürlich auch im Leben Viele werden jetzt an die Schwierigkeiten denken, die bei einem Wortschatz der hauptsächlich aus den Silben Ähh und Ohh besteht auftreten und live bei den Kaufversuchen eines Brötchens mit begrenztem Wortschatz im gegenüberliegenden Bäckerladen.

Bei Stundenvorbereitungen wird viel Zeit und Mühe auf motivierende Beginnsituationen, verständliche und präzise formulierte Fragen oder klare Arbeitsaufträge Wert gelegt. Dann aber muss manchmal festgestellt werden- das alles kommt bei den Lernenden nicht an. Viele waren nicht in der Lage zu folgen bzw. zuzuhören, was an mangelnder Konzentration, Aufmerksamkeit, wenig ausgebildetem Durchhaltevermögen mit liegen könnte. Das sind dann die wichtigen Basisfähigkeiten oder Sekundärtugenden, wie sie einst der Bildungsforscher Wolfgang Bergmann nannte. Der musste schon zur Jahrtausendwende feststellen- von alleine geht immer weniger.

Zur Schulung dieser „Sekundärtugenden“ wird im Jenaplan häufig auf die Organisationsform „Kreis“ zurückgegriffen. Alle Beteiligten sitzen von einem gedachten Mittelpunkt gleichweit voneinander entfernt, ohne Barriere. Jeder kann jeden sehen und wird von jedem gesehen. Keiner ist zum Beispiel nach einer undurchdachten Bemerkung in der Lage sich zu verstecken. Das öffentlich Gesprochene muss auch öffentlich verantwortet werden. Der Kreis ist eine lebendige Organisationsform. Es gibt ein bestimmtes Regelwerk, verschiedene Funktionen darin, wie Leiter oder Leiterin, Regel- und Zeitwächter usw. Es wird gesprochen, zugehört, nachgefragt, Verständnis eingeholt und Ergebnisse zusammengefasst.

Feier als extra Bildungsgrundform- warum? Die einfachste Antwort wäre: wir erinnern uns besonders an gelungene Feiern, gleich welcher Art.

Harte Arbeit, gute Lösungen wollen am Ende an die Öffentlichkeit und im feierlichen Rahmen gewürdigt werden. Das lässt einen Gemeinschaftssinn wachsen und wird zugleich zum pädagogischen Anker das Gelernte in den eigenen Erfahrungsschatz zu übernehmen.

Feiersituationen ermöglichen sich selbst als Mensch unter Mitmenschen zu spüren und angenommen zu werden

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Erreichbarkeit:

Mo. bis Fr.: 8 - 18 Uhr

Tel. 015153327327

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