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  • Bärbel Bitterlich

Damit die Schule auch noch Kindheit ist. Teil 1


Nachdenken und Anregungen aus der Welt des modernen Jenaplans

Einmal heraus aus den Fachstunden, einmal weg aus dem eng umzirkelten Stundenziel das wer auch immer schon vorher bis ins Detail festgelegt hat hin zum Fragen

Jenaplanschulen verstehen sich als Schulen des Fragens.

Dies bedeutet dass man sich fragend an Themen herantastet, Probleme herausarbeitet, thematisiert und in Angriff nimmt. Es entwickelt sich eine pädagogische Situation und im Idealfall Spannung, sich in das Problemfeld hineinzubegeben.

Diese Spannung zu erringen ist pädagogisch wichtig um Faszination im Kind auszulösen. Will der Pädagoge ein kurzes, hell aufflackerndes aber genauso schnell wieder verlöschendes Strohfeuer der Begeisterung vermeiden sind im Unterricht Voraussetzungen vonnöten. Es braucht Handwerkszeug und Struktur eine unbekannte Aufgabe freudig angehen zu können.

Es braucht Willensstärke und innere Kraft die Mühen der Ebene, eine Lösung ist weit und breit noch nicht in Sicht, zu durchschreiten.

Es heißt auch Misserfolge zu erleben und anzunehmen, nicht locker zu lassen und dann doch noch zu einem Ergebnis zu kommen.

Letztendlich muss das Ergebnis zusammengefasst in Struktur und Sprache gebracht werden, um die Gruppe teilhaben zu lassen. Teillösungen vernetzen sich zu einem Gesamtergebnis. Die Auseinandersetzung mit dem Thema erfährt ein vielfältiges Durchdringen, Einzelbemühen summieren sich zu einer Gesamtschau, zu einem Erfahrungsraum der ganzen Gruppe.

Das in solch einem „Raum“ Erlebte kann damit in den ureigensten Lebenserfahrungsschatz des am Prozess Beteiligten übernommen werden. Die Gruppe wird zum vermittelnden Übfeld für eine Orientierung in der Welt, weil sie nur funktioniert auf der Grundlage von Zusammenarbeit und Teilhabe mit anderen Menschen. Sie weist den Weg zu einer Lebenssicht des Zusammenwirkens menschlicher Gemeinschaft.

So wäre es zu wünschen. Nur leider können wir Pädagogen nicht mehr von vornherein davon ausgehen, dass Kinder automatisch die notwendigen Grundtugenden wie zum Beispiel Selbstdisziplin, Willenskraft, Durchhaltevermögen, Qualitätsbewusstsein usw. für diese Art von Pädagogik mitbringen. Die Haltelinien der Heranwachsenden: „Das kann ich nicht! Das weiß ich nicht! Keine Ahnung!“werden bei der kleinsten Schwierigkeit oder Notwendigkeit jetzt nachdenken zu müssen gesetzt. Dagegen zu wirken, Fähigkeiten und Fertigkeiten Schritt für Schritt im Raum Schule zu entwickeln wird wohl alle pädagogisch Handelnden in den nächsten Jahren viel Kraft und Zeit kosten.

Jens Bitterlich

www.schulberatung-bitterlich.de


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